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Neandertaler mit Farbsinn
Ein Zufallsfund mit großen Folgen könnte in einer Kiesgrube in einem Stadtteil des niederländischen Maastricht gelungen sein - zumindest wenn sich die Analyse bestätigt, die Forscher um Wil Roebroeks von der Universität Leiden in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften vorgelegt haben. Sie sehen in einer Reihe unscheinbarer brauner Flecken Indizien dafür, dass die Neandertaler roten Ocker (bzw. Hämatit) benutzten, und das schon vor 200.000 bis 250.000 Jahren.
Landmasse am Nordpol
Immer wieder sollen sich alle Landmassen der Erdoberfläche zu einem gewaltigen Superkontinent vereinigen: Ur gilt als der früheste, dann gab es Columbia oder Nuna, dann Rodinia, dann Pangäa. Zwar sind alle Landmassen bis auf Pangäa mehr oder weniger hypothetisch, dennoch gehen viele Geowissenschaftler davon aus, dass es so etwas wie einen Zyklus der Superkontinente gibt - den sogenannten Wilson-Zyklus.
Keine Spur von Alberich
Deutschland gilt als rohstoffarmes Land, doch das stimmt nicht wirklich. Tatsächlich führen viele Flüsse zum Beispiel Gold, gibt es Silber in Niedersachsen oder im Erzgebirge und sogar eine möglicherweise abbauwürdige Lagerstätte von Seltenen Erden in Sachsen. Verglichen mit den Vorkommen von Rohstoffgiganten wie Südafrika oder Australien ist das zwar nicht der Rede wert, dennoch kann es ein interessantes Nebengeschäft sein.
Koloss auf tönernen Füßen
Angkor, die Hauptstadt des alten Khmer-Reiches, gehört wie die Maya-Städte Mittelamerikas zu den Stätten der Hochkultur, die sich die Natur wieder zurückholte. Nach ihrem Fall im 15. Jahrhundert versank die Stadt im Dschungel Kambodschas. Über die Ursache für den Untergang Angkors wird heftig gestritten, doch immer mehr kristallisiert sich heraus, dass eine gravierende Umweltverschlechterung eine entscheidende Rolle gespielt hat. Das Khmer-Reich wäre damit eines der menschlichen Gemeinwesen, die vor allem durch Naturgewalten zerstört wurden.
Nahost-Klimaarchiv reicht 250.000 Jahre zurück
Das Tote Meer trägt seinen Namen offenbar vollkommen zu unrecht, denn der zurzeit rund 800 Quadratkilometer große See hat sich in der jüngeren geologischen Vergangenheit als extrem wandlungsfähig gezeigt. Heutzutage liegt die Seeoberfläche 423 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste natürliche Punkt auf allen Kontinenten. Vor rund 25.000 Jahren lag die Seeoberfläche rund 200 Meter höher. Damals hatte das Binnengewässer eine Oberfläche von 2000 Quadratkilometern und erstreckte sich bis zum heutigen See von Tiberias, 125 Kilometer vom jetzigen Nordufer entfernt. Aber auch das absolute Gegenteil scheint es gegeben zu haben - und das hat die Wissenschaftler überrascht.
Pralles Leben im Untergeschoss
Oft wird gesagt, die Tiefsee der Erde sei dem Menschen weniger gut bekannt als Mond oder Mars. Doch verglichen mit der Tiefen Biosphäre ist die Tiefsee noch ein Ort, in dem sich der Mensch wie in seiner Westentasche auskennt. Erst seit wenigen Jahren ist überhaupt bekannt, dass eine mindestens viele Hundert Meter, vielleicht sogar einige Kilometer dicke Schicht unseres Heimatplaneten bis unten durch belebt ist. Und erst langsam dämmert es der Wissenschaft, dass in dieser Sphäre ein großer, wenn nicht der größte Teil der Biomasse zu suchen ist. Nun fällt das nächste Axiom: Bewohner dieser Tiefen Biosphäre sind beileibe nicht nur krude Einzeller, Bakterien und Archäen.
Unterschätztes Risiko
Der größte Auffahrunfall der Erde findet in Südostasien statt. Seit rund 70 Millionen Jahren rammt sich dort der indische Subkontinent mit schier unvorstellbarer Energie in die eurasische Kontinentalplatte. Dabei wird der Himalaja aufgetürmt, das derzeit größte Gebirge des Planeten. Doch damit ist die Kollisionsenergie nicht abgebaut, das geschieht in Erdbeben, die den gesamten rund 3000 Kilometer langen Gebirgsgürtel entlang auftreten können. Möglicherweise ist das Bebenrisiko im südwestlichen Himalaya bislang drastisch unterschätzt worden. Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco trat ein Geophysiker mit entsprechenden Warnungen an die Öffentlichkeit.
Einzelfallbetrachtung ist gefragt
Mit dem Abklingen der jüngsten Eiszeit starben auf der Nordhalbkugel viele Großtierarten aus. Wollhaarnashorn, Riesenhirsch und Riesenfaultier, nordamerikanisches Pferd, Moschusochse und Bison, Mammut, Mastodon und Eiszeittapire verschwanden komplett von der Landkarte oder wurden auf winzige Bereiche ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets zusammengedrängt. In ihrem Gefolge starben dann auch die Fleischfresser wie Höhlenbär, Säbelzahntiger oder der große amerikanische Wolf. Heftig diskutiert wurde bislang darüber, was für diese einschneidende Veränderung verantwortlich war. Ein Bericht in "Nature" über sechs exemplarische Tierarten zeigt, dass es ein einheitliches Bild nicht geben wird.
Schlafender Drache
Yellowstone ist der älteste Nationalpark der USA. Seine zahllosen Geysire und heißen Quellen locken jedes Jahr Millionen von Touristen an. Aber so beeindruckend Old Faithful und seine "Kollegen" auch sind, sie sind nur die exotischen Erscheinungen eines viel größeren Systems. Unter Yellowstone "schläft" ein Supervulkan, der allein in den vergangenen 2,1 Millionen Jahren dreimal gezeigt hat, wozu er fähig ist - und niemand weiß, ob dieser im Untergrund verborgene Riese nicht eines Tages wieder zum Leben erwachsen kann.
Experiment am lebenden Ökosystem
Das Kohlendioxid, das der Mensch in die Atmosphäre bläst, treibt nicht nur die Temperatur unserer Lufthülle in die Höhe, es verändert auch die Meereschemie. Die Ozeane werden saurer, und das wahrscheinlich mit einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit. Meeresbiologen setzen gerade dazu an, die Folgen dieses unaufhaltsamen Prozesses für die Ökosysteme abzuklopfen. Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco wurden Resultate präsentiert. Sie ergeben ein äußerst komplexes Bild mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen.
Vielfältige Folgen einer Ölpest
Die Havarie der Tiefseebohrplattform Deep Water Horizon im Golf von Mexiko gehört zu den schlimmsten Unfällen der Ölindustrie. Fast fünf Millionen Barrel Rohöl gelangten in den Ozean. Aus dem freien Wasser verschwanden Öl und Methan überraschend schnell, schon im Herbst 2010, ein gutes halbes Jahr nach Beginn der Katastrophe, waren die Werte weitgehend wieder auf normalem Niveau. Eine andere Situation könnte jedoch an den Küsten herrschen. In den Marschen der US-Golfküste fängt sich das Öl besonders gut und dringt tief ins Sediment ein. Überdies produzieren die Gebiete östlich des Mississippi-Deltas große Mengen an Meeresfrüchten - was die Ölpest für die Nahrungskette dort bedeutet, wird erst langsam aufgeschlüsselt. Auf der Jahrestagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union wurden verschiedene Ergebnisse vorgestellt.
Geburt der Vielfalt
Eines der großen Rätsel der Biologie ist die Kambrische Artenexplosion. Vor 542 Millionen Jahren traten wie auf einen Schlag die Vorfahren aller heute lebenden Tiere auf den Plan. Hinweise auf ihre Vorfahren gibt es dagegen nicht. Hat sich diese Wende in der Erdgeschichte also tatsächlich abgespielt, oder führt einfach nur die Überlieferung in fossiler Form in die Irre? In "Science" haben US-Paläontologen das bislang vorliegende Fossilmaterial gesichtet und mit Hilfe einer "molekularen Uhr" bewertet. Ergebnis: Die Artenexplosion ist keine Verzerrung der Überlieferung, weil vorkambrische Fossilien nicht überliefert wurden, sondern sie ist tatsächlich passiert.
Überraschungen unter dem Eis
Ein Gebirge vom Ausmaß der Alpen und ein Grabenbruch-System von den Dimensionen des Ostafrikanischen Rifts verbergen sich unter dem kilometerdicken Eispanzer der Ostantarktis. Seit die Gamburtsev-Berge 1958 entdeckt wurden, rätseln Geowissenschaftler, wie sich mitten auf einem scheinbar geschlossenen Kontinent eine solche Gebirgskette bilden kann. Die 7-Nationen-Mission AGAP aus dem Internationalen Polarjahr 2010 hat jetzt ein Modell produziert und in "Nature" vorgestellt, das die widersprüchlichen Informationen zu einem schlüssigen Bild vereint.
Vorbild für Scrat entdeckt
Im Zeichentrickfilm "Ice Age" treibt ein Eichhörnchen mit langen Säbelzähnen sein skurriles Unwesen. Forscher aus den USA und Argentinien haben jetzt ein 100 Millionen Jahre altes Vorbild für diesen "Scrat" entdeckt: In Sedimenten aus der Provinz Rio Negro im argentinischen Patagonien fanden sie eines der wirklich seltenen Säugerfossilien aus der südamerikanischen Kreidezeit. In "Nature" wurde der Fund vorgestellt.
Ursprung der Gemeinschaft
Primaten, also Halbaffen und Affen, sind zum allergrößten Teil gesellige Tiere: Nur wenige suchen ausschließlich zur Paarung Gesellschaft, die meisten leben in mehr oder weniger großen Gruppen oder zumindest in dauerhafter Partnerschaft. Eine neue Studie in "Nature" hat jetzt nachgezeichnet, wie sich dieser Hang zur Gemeinschaft entwickelt hat - mit durchaus überraschenden Ergebnissen.
Genug Zeit für Austausch
Das Verhältnis zwischen dem anatomisch modernen Menschen - unseren Vorfahren - und den Neandertalern - europäischen Ureinwohnern, deren Abstammungslinie sich vor rund 700.000 Jahren von der unsrigen trennte - gilt als notorisch schwierig. Nicht allein, dass die Immigration der modernen Menschen mit dem Aussterben der Neandertaler einherging, auch der engere Kontakt zwischen den Arten, sei es kultureller oder auch sexueller Art, sorgte immer wieder für Streit unter den Wissenschaftlern. In den vergangenen Jahren allerdings schien sich alles darauf hinzubewegen, dass der Neandertaler kulturell fortschrittlicher war, als man ihm gemeinhin zugestand. Die sexuellen Kontakte standen nach entsprechenden genetischen Studien ohnehin außer Zweifel, auch wenn sich das Neandertaler-Erbe nicht besonders schwer im Genom der heutigen Europäer niederschlug. Zwei Studien in "Nature" könnten jetzt den Streit um das Verhältnis der beiden Menschenarten im eiszeitlichen Europa neu entflammen.
Internationale Kooperation bleibt erhalten
Das internationale Meerestiefbohrprogramm IODP wird doch fortgeführt. Im Sommer hatte die US-amerikanischen National Science Foundation überraschend angekündigt, am ab Oktober 2013 anlaufenden Nachfolgeprogramm nicht teilzunehmen. Jetzt wird das International Ocean Discovery Programm, ebenfalls IODP abgekürzt, anlaufen. Der Name ändert sich demnach gegenüber dem Vorgänger nur leicht, die Struktur jedoch wird gehörig durchgeschüttelt.
Komplizierte Ahnenreihe
Die anatomisch modernen Menschen haben sich auf ihrem Weg von Afrika in alle Welt offenbar doch intensiver mit den bereits ansässigen urtümlicheren Menschenarten vermischt, als man bisher annahm. Zumindest legen das Erbgutvergleiche nahe, die zwei schwedische Genetiker mit den Genomen von heutigen Menschen, von Neandertalern und von den rätselhaften Denisova-Menschen aus dem sibirischen Altai durchführten und in den Abhandlungen der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichten.
Bauplan eines Killers
Die Pestzüge des ausgehenden Mittelalters zählen wohl zu den traumatischsten Zäsuren in der jüngeren Menschheitsgeschichte. Je nach Schätzung starben in der Mitte des 14. Jahrhunderts innerhalb von nur fünf Jahren 25 bis 40 Prozent der europäischen Bevölkerung. Jetzt legen Wissenschaftler in "Nature" die entschlüsselte Gensequenz des damaligen Erregers vor: Seine heutigen Nachfahren unterscheiden sich genetisch kaum von ihm, können gleichwohl bei weitem nicht die Durchschlagskraft entwickeln.
Der große Zug der großen Saurier
Die pflanzenfressenden Dinosaurier des Jura vertilgten so gewaltige Mengen, dass sich die Paläontologen immer fragten, wie diese Tiere in einer Umgebung aus Farnen, Schachtelhalmen und Bäumen überleben konnten. Eine Möglichkeit waren ausgedehnte Wanderungen "immer dem frischen Grün hinterher", wie sie heutzutage noch in der Serengeti zu sehen sind. Bislang fehlten allerdings die Belege für diese Hypothese. In der aktuellen "Nature" präsentieren US-Paläontologen Indizien, dass zumindest die Pflanzenfresser im nordamerikanischen Landesinneren solche Wanderungen durchführten
Testlauf für Eisbohrungen
Seit rund 30 Millionen Jahren hat das Eis den antarktischen Kontinent im Griff. Zuerst war die Gletscherdecke nicht von Dauer, sondern wich gerade in der Westantarktis und auf der antarktischen Halbinsel immer wieder zurück. Inzwischen bedeckt aber eine immerwährende, kilometerdicke Eisdecke alle drei Teile, und das tut sie schon seit vielen Jahrhunderttausenden. Erstaunlicherweise liegen unter diesem Eispanzer zahlreiche Seen, die Zählung der Wissenschaftler ist inzwischen bei 357 angelangt. Für einige von ihnen neigt sich die lange Isolationszeit vom Rest der Erde dem Ende zu. Mindestens drei Bohrprojekte durch den Eispanzer hindurch in subantarktische Seen stehen auf dem Programm der Polarforscher.
Frühestes Schminkstudio gefunden
"Ein bedeutender Schritt bei der Entwicklung komplexer menschlicher Denkmuster" werde durch den Fund illustriert. So wertet der südafrikanische Archäologe Christopher Henshilwood selbst seine Entdeckung in der südafrikanischen Blombos-Höhle. In der Fachzeitschrift "Science" berichten Henshilwood und Kollegen über 100.000 Jahre alte Ockerpaste, die von Bewohnern der Höhle angerührt und in Schneckenschalen aufbewahrt wurde. Es wäre die älteste bezeugte Schminke der Menschheitsgeschichte - wozu sie letztendlich diente, ist allerdings unbekannt.
Nachschub von oben
Das irdische Wasser kann doch aus mehr Quellen stammen, als die Astronomen zuletzt glaubten. Die Analyse des Kometen Hartley 2 mit dem Esa-Weltraumteleskop Herschel ergab einen Isotopenfingerabdruck für das Kometenwasser, der dem des irdischen Wassers überraschend nahekommt. Die kosmischen Schneebälle wären damit als Wasserträger wieder im Rennen.
Kletternde Urmutter
Die sogenannten Höheren Säugetiere gehören zu den erfolgreichsten Tiergruppen der Erdgeschichte, 90 Prozent aller heutigen Säugetiere zählen dazu. Ein Fossil aus der an Überraschungen so reichen chinesischen Provinz Liaoning zeigt jetzt, dass diese auch Plazentatiere genannte Gruppe offenbar sehr alt ist und aus dem mittleren Jura stammt. Das Fossil mit Namen Juramaia sinensis wurde in "Nature" vorgestellt.
Kurzfristige Abkürzung
Das arktische Meereis ist auf ein neues Minimum geschrumpft. Nur noch 4,2 Millionen Quadratkilometer betrug nach Angaben von Bremer Polarforschern am 8. September die Fläche der sommerlichen Eisdecke auf dem Arktischen Ozean. In diesem Jahr sind auch zum zweiten Mal in Folge beide Schiffspassagen durch die Arktis eisfrei. Insbesondere der sogenannte Nördliche Seeweg an Sibirien vorbei zieht das Interesse auf sich, denn hier können für ein paar Wochen normale Schiffe ohne Eisbrechereskorte von Europa nach Fernost fahren.