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Eine Ebene höher
Small is not always beautiful
Wasserkraft wird zu den erneuerbaren Energien gezählt. Doch die Staudämme und Wehre der Flusskraftwerke sind keineswegs umweltneutral, weshalb große Staudammprojekte international in Misskredit geraten sind. Ob allerdings die als Alternative angepriesene dezentrale Wasserkraft tatsächlich die bessere Wahl ist, wird schon seit längerem immer wieder bezweifelt. Eine Fallstudie über China, die jetzt in den "Geophysical Research Letters" erschien, unterstreicht die Zweifel erneut.

Treibstoff für das Ergrünen der Steppen
Pflanzen produzieren ihre Biomasse durch Photosynthese: Kohlendioxid und Wasser werden mit Hilfe von Sonnenenergie zu Zuckermolekülen zusammengesetzt. Der steigende Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre sollte daher grundsätzlich wie eine Dünger auf Pflanzen wirken. Eine Modellstudie aus Australien, die jetzt in den "Geophysical Research Letters" erschien, zeigt, dass das zumindest in den trocken-warmen Subtropengürteln der Erde tatsächlich so funktionieren könnte, vermutlich aber auch nur dort und nicht unbegrenzt.

Planet im Computer
Die Geowissenschaftler schicken sich an, den Astronomen und Klimaforschern nachzueifern und ihren Forschungsgegenstand, die Erde, in allen Facetten im Computer nachzubauen. Auf der EGU-Frühjahrstagung wurde Jeroen Tromp von der Universität Princeton, einer der führenden Köpfe in Sachen Erdsimulation, mit der Beno-Gutenberg-Medaille der Seismologen ausgezeichnet.

Ehrenrettung für einen Paläontologiestar
Ein Fossilfund aus der nordostchinesischen Provinz Liaoning wirft neues Licht auf den nebulösen Übergang von Dinosauriern zu Vögeln. Aurornis xui ist nach Angaben seiner Entdecker in "Nature" der bislang primitivste Vogel und rehabilitiert Archaeopteryx, den berühmtesten Urvogel der Welt.

Modell für die Frühzeit
Die Entstehung des Lebens vor vielleicht vier Milliarden Jahren ist weiterhin ein großes Rätsel für die Wissenschaft. Niemand weiß, wie der Übergang von unbelebter zu belebter Materie abgelaufen ist: Wie entstand aus einer Vielzahl separater Moleküle das erste, wenn auch noch sehr simple Lebewesen? Jetzt berichten britische Forscher in "Cell" über Erscheinungsformen moderner Bakterien, die zumindest die Vermehrung ihrer frühesten Ahnen erklären könnten.

Infraschall kündigt Tsunami an
Tsunamiwellen rollen mit einer Geschwindigkeit von rund 700 Kilometern pro Stunde durch die Ozeane. Von einem Ende eines Meeresbeckens zum anderen brauchen sie ein paar Stunden, so dass in weit entfernten Gebieten genügend Zeit bleibt, um die Bewohner zu evakuieren. Aber je näher die Menschen am Ausgangspunkt des Tsunamis leben, umso kürzer wird die Vorwarnzeit. Deshalb untersuchen Geophysiker vom Deutschen Geoforschungszentrum, ob man die Tsunamifrühwarnung nicht durch Infraschallmessungen verbessern kann. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien präsentierten sie ihre Ergebnisse.

Die Risiken steigen
In den USA hat die Tornado-Saison mit großer Wucht begonnen. Nach Wirbelsturmserien in Nordtexas bis hinauf nach Kansas hat ein besonders ausgedehnter Tornado jetzt einen Vorort von Oklahoma City verwüstet. Die sogenannte "Tornado Alley" von der Golfküste bis hoch zu den Großen Seen muss jedes Jahr zwischen März und August mit Wirbelstürmen rechnen. Einer statistischen Auswertung der Münchener Rück zufolge haben sich allerdings in den vergangenen 40 Jahren Sturmrisiken und wirtschaftliche Schäden parallel und drastisch erhöht.

Tief gelegen und lange isoliert
Die tiefe Biosphäre bereitet den Wissenschaftlern eine Überraschung nach der anderen. In der aktuellen "Nature" berichten britische und kanadische Forscher über Wasser aus 2400 Metern Tiefe, das seit mindestens 1,5 Milliarden Jahren isoliert ist. Wegen seines Nährstoffreichtums spekulieren die Forscher über ein Ökosystem dort unten, das seit mindestens ebenso langer Zeit isoliert ist. Für unsere Vorstellung von der Biosphäre auf unserem Planeten und der möglichen Existenz von Leben auf unseren Nachbarhimmelskörpern könnte das, so die Forscher, erhebliche Konsequenzen haben.

Ein Problem der Kommunikation
Sechs Jahre Haft für jeden Einzelnen von sieben angeklagten Geowissenschaftlern und Ingenieuren. So lautete das Urteil gegen Verantwortliche des italienischen Katastrophenschutzes wegen ihres Verhaltens vor dem L'Aquila-Erdbeben vom 6. April 2009, bei dem über 300 Menschen starben. In der Wissenschaft ist die anfängliche Empörung der Nachdenklichkeit gewichen, seit Anfang des Jahres die Urteilsbegründung veröffentlicht wurde. Die Seismologen arbeiten an besseren Prognosen für Erdbebengebiete.

Regeln einer Wohngemeinschaft
Die Erde ist ein seit Jahrmilliarden Jahren belebter Planet, der von den Lebewesen tiefgreifend umgestaltet wurde und wird. Hauptakteur ist dabei keineswegs der Mensch, sondern die ungeheuer vielfältige Welt der Bakterien und Archäen.

Fahrtenbuch eines Gletschers
Die Antarktis ist der unzugänglichste Kontinent der Erde und einer ihrer unzugänglichsten Teile wiederum ist der Pine Island Gletscher in der Westantarktis. Ausgerechnet er jedoch scheint besonders schnell in Richtung Südozean zu fließen. Britische Forscher haben jetzt ein preiswertes Sondensystem entwickelt und vom Flugzeug aus auf dem Gletscher installiert, mit dem seine Fließgeschwindigkeit kontinuierlich gemessen werden kann. Auf der Jahrestagung der Europäischen Union der Geowissenschaften stellten sie es vor.

Gammastrahlen aus der Gewitterwolke
Irdische Gewitterwolken produzieren nicht nur gewaltige Blitze im sichtbaren Bereich des Spektrums. Per Zufall entdeckten Gammastrahlen-Observatorien, die eigentlich in die Tiefen des Alls spähen sollen, Gammastrahlen-Blitze auch in den oberen Schichten der Atmosphäre. Diese Entladungen übertreffen die sichtbaren Blitze bei weitem an Energie und stellen für Flugzeuge in ihrer Nähe ein Risiko dar. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien berichteten jetzt Wissenschaftler über die jüngsten Erkenntnisse.

Turbulenzen auf dem Weg
Eine der unangenehmsten Erscheinungen des Luftverkehrs sind Turbulenzen in der oberen Troposphäre, die die Piloten häufig nicht erkennen können. Wenn es dann nur "Bitte anschnallen" heißt, können Passagiere zufrieden sein. Oft aber werden Menschen verletzt, wenn ein Flugzeug unvermittelt in ein Luftloch fällt. Auf jährlich rund 150 Millionen Dollar werden die Kosten für ihre Behandlung und für Schäden an den Flugzeugen geschätzt. Die Situation könnte sich in Zukunft verschärfen, zumindest im am stärksten beflogenen Korridor der Welt, der Nordatlantikroute. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien stellte ein britischer Wissenschaftler Simulationsergebnisse des dortigen Jetstreams für die nächsten 50 Jahre vor. Die Studie ist in "Nature Climate Change" erschienen.

Epochale Diskussionen
Noch fünf Jahre etwa werden wir im Unklaren bleiben. So lange brauchen die Geowissenschaftler für die Klärung, ob das Holozän nach nur etwas mehr als 11.000 Jahren irgendwann im Lauf des 20. Jahrhunderts zu Ende ging und das eine neue Epoche, "Zeitalter des Menschen", anbrach. Dieses Anthropozän wäre der dritte Teilabschnitt des Quartärs, doch die Geologen sind sich noch nicht sicher, ob die Fußspur des Menschen tief genug für ein eigenes Zeitalter ist.

Verräterische Spuren
Seit 1996 überwacht die Atomteststopp-Organisation CTBTO in Wien die Einhaltung des internationalen Abkommens zum Ende der Atombombenversuche. Eingesetzt werden seismische und akustische Instrumente sowie ein Netzwerk von 80 Stationen, die den radioaktiven Fallout der Tests auffangen. Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco stellten Geophysiker die Möglichkeiten des Globalen Positionierungssystems zur Überwachung der Atomtests vor.

Vorbereitung auf ein unwahrscheinliches Ereignis
Pausenlos wird die Erde von Flugkörpern aus dem All getroffen. Doch nur selten gelingt es einem, die Atmosphäre in größeren Einzelteilen zu durchdringen. In den vergangenen Wochen war das gleich zweimal der Fall: Am 15. Februar über Tscheljabinsk und am 22. März offenbar über der amerikanischen Ostküste. Über das Risiko, das von den Flugkörpern aus dem All ausgeht, diskutierten Experten auf einem Symposium in Heidelberg.

Nährstoffspender unter der Eiskappe
Die Eiskappen an den Polen könnten ein bislang unbekannter Nährstofflieferant für die Ozeane sein. Vor allem aus dem Südozean war bekannt, dass Eisberge auf ihrem Weg durch das Meer ihre nähere Umgebung düngen. Eine kleine Studie über den Eisengehalt grönländischen Gletscherwassers in "Nature Geoscience" zeigt jetzt, dass auch dieses stark mit dem Spurenstoff beladen ist, der vor allem für Pflanzen wichtig ist. Noch ist nicht explizit nachgewiesen, dass das Gletscherwasser seine Eisenfracht auch tatsächlich im Nordatlantik ablädt. Eine auffällige Korrelation zwischen Planktonblüten im Meer und dem Beginn der Schmelzsaison auf Grönland spricht jedoch dafür.

Überall Mikroben
Die Vielfalt des Lebens auf der Erdoberfläche täuscht darüber hinweg, dass weder Großpflanzen noch Tiere und schon gar nicht der Mensch die Biosphäre bestimmen. Die wahren Herren sind die Einzeller: Archäen, Bakterien und Mikroalgen, die sich die Erde in einem Maß erschlossen haben, von dem der Mensch nur träumt. In der Challenger-Tiefe, mit 10.898 Metern unterhalb des Meeresspiegels der tiefste Punkt der Weltmeere, gedeiht ein überraschend umfangreicher Mikrobenzoo. Sogar in den basaltischen Krustenplatten des Pazifik, die unter Hunderten von Meter dicken Sedimentpaketen und Tausenden von Metern Wasser liegen, haben Forscher Einzeller gefunden.

Hitziges Duell um Dinosaurierende
Das Ende der Dinosaurier und der Beginn der Erdneuzeit bleiben ein heftig umstrittenes Gebiet. Seit Alvarez Vater und Sohn die berühmte Iridium-Lage an der Sedimentgrenze von Kreide und Paläogen, früher Tertiär, entdeckten und damit den Asteroiden als Dinosaurierkiller ins Gespräch brachten, streiten sich die Lager. Und so kommt es, dass ein Aufsatz in Science nun heftige Reaktionen auslöst: Danach soll doch der Asteroid der Schuldige sein. Auf einer Tagung Ende März in London treffen die Kontrahenten aufeinander - ob das allerdings den Disput lösen wird, bleibt zweifelhaft.

Stethoskop für einen Vulkan
Die erste Tiefbohrung in Richtung Magmenkammer der Campi flegrei ist im vergangenen Jahr problemlos durchgeführt worden. Bis in 500 Meter Tiefe gelangte der Bohrkopf und die integrierten Messinstrumente zeichneten die erwarteten Temperaturen auf. Das zweite Bohrloch soll 2500 Meter tief werden und in beiden werden Instrumente installiert, die die Hebungen und Senkungen der Caldera näher aufklären sollen. Zu Beginn dieses Jahres etwa hat sich die Aufwärtsbewegung des Bodens im Westen Neapels urplötzlich vervielfacht.

Zeugen mit Erinnerungslücken
Unser Bild von der ganz frühen Erde ruht auf Zirkonen, winzigen Kristallkörnern, auf denen ganze Theoriegebäude errichtet wurden. Um so wichtiger ist es, dass die Informationen aus den Zirkonen exakt sind. Eine der Arbeitsgruppen, die die Zirkonanalyse besonders vorangetrieben hat, weckt jetzt Zweifel an der Datierung einiger besonders alter Exemplare.

Messung im Überflug
Seit Herbst 2007 hebt sich im badischen Staufen der Boden unter der denkmalgeschützten Altstadt. Eine verunglückte Geothermiebohrung lässt den Untergrund aufquellen, bislang um bis zu 48 Zentimeter. Seither wird die Entwicklung vor Ort mit regelmäßigen Messkampagnen beobachtet. Eine Alternative wird am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam getestet: Dort wertet man Radarbilder des deutschen Satelliten TerraSAR-X aus.

Das Midas-Bakterium
Es war unüberlegt, als sich der phrygische König Midas vom Gott Dionysos wünschte, dass alles, was er berühre, zu Gold würde: Nicht nur, dass er so seine eigene Tochter tötete, er konnte auch selbst weder essen noch trinken. Was dem mythischen Monarchen nicht gelang, scheint ein Bakterium im wirklichen Leben gemeistert zu haben: Delftia acidovorans kann auf Gold leben - eine große Kunst, denn im Nanometer-Maßstab wandelt Gold seinen Charakter. Das in größeren Dimensionen so träge Edelmetall wird auf einmal sehr reaktiv und wirkt daher giftig auf Lebewesen.

"Kein schönes Bild"
Das Zweistromland von Euphrat und Tigris zählt zu den Wiegen der menschlichen Zivilisation. Seit mehr als 5000 Jahren siedeln Menschen dort und kultivieren das Land mit ausgefeilten Bewässerungssystemen. Probleme mit zu großer Trockenheit und voranschreitenden Wüsten gab es immer wieder und mehr als ein großes Reich ging daran zugrunde. Jetzt steuert der Norden Mesopotamiens offenbar erneut auf eine solche Krise zu. Die Schwerefeldsatelliten der europäisch-amerikanischen Grace-Mission haben einen beunruhigenden Schwund der Wasserreserven protokolliert.

Rohstoffträume im Weltraum
Glühwürmchen und Libellen werden bald die irdische Lufthülle verlassen und sich in den Weltraum aufmachen - und mit ihnen wird die Wirtschaft ins All aufbrechen und den derzeit ausschließlich staatlichen Akteuren heftig Konkurrenz machen. So versprechen es zumindest zwei Unternehmen von der US-Westküste, die kurz hintereinander mit Asteroidenbergbau-Missionen an die Öffentlichkeit getreten sind.