POSEIDON-Logbuch 7. Juni: Mit dem Hai über den Schelf und abends regiert König Fussball
Seit dem 2. Juni ist das deutsche Forschungsschiff POSEIDON im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs EUROPROX in spanischen Küstengewässern. Von der Forschungsexpedition lesen Sie heute über einen weiteren Einsatz des "Magnetik-Hais", einem HighTech-Messgerät zur Erfassung von Sedimenteigenschaften.
Poseidon-Logbuch P363/3
Vigo - Vigo
Autoren: "Shark"-Team Hendrik Müller und Christian Hilgenfeld, Bastian Wichand
7. Juni: Submarine Schelfüberquerung
Die strahlend
aufsteigende Morgensonne weckt Bastian Wichand nicht, denn
er ist bereits seit 4 Uhr morgens dabei, die nächtliche Fächerecholot-Vermessung
(Multibeam) im heutigen Einsatzgebiet des GEM Shark auszuwerten. Wir wollen
nämlich bei 42°42,5' N ein West-Ost Profil vom obersten Kontinentalhang über
die Schelfkante, den äußeren und inneren Schelf bis hinein in die Ría de Muros
aufzeichnen. In diesem mittleren Bereich der galizischen Küste kann man sich das
erlauben, denn hier gibt es auf dem äußeren Schelf keine felsigen Zonen wie
weiter im Süden. Der östliche Profilabschnitt in die Öffnung der Ría de Muros
hinein bedarf allerdings genauer Vorerkundung, denn hier zeigt die Sedimentkarte
einzelne felsige Untiefen, die von der Multibeam Vorerkundung auch klar
wiedergegeben werden. Aber zwischen den Felsen findet sich eine sedimentverfüllte
Passage zwischen Rìa und dem davor liegenden Schlammgürtel. Hier lässt sich die
Frage untersuchen, ob und in welchem Umfang der 'mud belt' und Rías Sedimente
austauschen.
Funkstille: Schiffselektriker behebt umgehend das Problem des Hais
Funkstille
Acht Uhr auf dem Achterdeck: Der Schlitten steht einsatzfertig bestückt und verspannt bereit, die Lage- und Steuerelektronik läuft sich warm, POSEIDON hält auf den Profilanfang zu. Der Bootsmann Frank öffnet die fünf Meter breite Heckpforte des Schiffs. Christian Hilgenfeldt steckt die Signalkabel von Schlitten und Zugdraht zusammen. Jetzt müsste der Kontrollbildschirm im Geophysiklabor eigentlich sämtliche Messwerte und Statusinformationen anzeigen. Aber nichts ist davon zu sehen - es herrscht absolute Funkstille! Wo kann der Fehler liegen? Ein paar schnelle Tests, dann ist der Fehler eingegrenzt: Es muss ein Kabelschaden am Ende des Einleiterdrahts vorliegen, vermutlich entstanden beim unsanften letzten Auftauchmanöver. Sofort ist der Schiffselektriker Dietmar auf dem Plan, kappt die letzten Meter des Zugdrahts und erneuert den Abschlussstecker des darin eingeschlossenen Kommunikationskabels. Noch ein schneller Abschlusstest - alles klar, grünes Licht für den Einsatz!
Vorsicht, Netz!
Das Aussetzen des Schlittens verläuft routiniert, aber das tiefe Landemanöver
gegen den steil ansteigenden inneren Kontinentalhang auf 270 Meter Wassertiefe
ist ein Novum. Wir lassen den Hai auf einem hangparallelen Nordkurs absinken,
wechseln auf einen Ostkurs und setzen den Schlitten etwa eine Meile unterhalb
der Schelfkante auf. Wieder geht alles glatt: der Schlitten registriert das
Überqueren von Sedimentwellenfeldern des äußeren Schelfs und den variablen Tonanteil
des Schlammgürtels. Zur Ríamündung hin wird der Meeresboden unruhiger; vier Seeleute halten von
der Brücke Ausschau nach Fischernetzen. Als es ihm zu brenzlig wird, bricht
Hendrik Müller das Profil ab und bringt den Schlitten durch Verkürzen der
Zugleine in Steigflug. Gegen 3 Uhr liegt der gelbe Hai unbeschadet und mit 540.000 Suszeptibilitäts- und Leitfähigkeitsmessungen gesättigt auf dem
Arbeitsdeck und genießt seine tägliche Reinigung und Wartung.
Noch bleibt genug Zeit,
einen Kastengreifer und Vibrolot in der Ría de Munos einzusetzen, dann geht die
Deckmannschaft in den verdienten Feierabend. Und der ist heute noch wichtiger
als sonst, denn um 18 Uhr beginnt das Eröffnungsspiel Schweiz-Tschechien der
Fußball-Europameisterschaft!
Viele Grüße von der Poseidon,
Hendrik Müller, Christian Hilgenfeld und Bastian Wichand
Weitere Informationen:
Wo ist POSEIDON jetzt?
Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.
Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history unter www.europrox.de.






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