Poseidon-Logbuch 6. Juni - Rippelfelder in Sicht
Seit dem 3. Mai ist das deutsche Forschungsschiff POSEIDON im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs EUROPROX auf Forschungsexpedition. Heute berichtet der Bremer Sedimentologe Till Hanebuth über seine Arbeit an den Rippelfeldern auf dem galizischen Schelf.
Poseidon-Logbuch P363/3
Vigo - Vigo
Autor: Till Hanebuth
6. Juni: Rippelfelder in Sicht
Bericht vom "Ende der Welt"
Es wird gesagt, dass dieses Gebiet vor Galizien fast ganzjährig von Stürmen beherrscht wird. Nicht umsonst hat das Kap Finisterre, dieses "Ende der Welt", schon seit zweitausend Jahren seinen berüchtigten Ruf in der Seefahrt. Diese Fama werden wohl auch wir weitertragen, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der Wind nicht binnen kurzer Zeit auf ungemütliche acht Windstärken anzieht. Und mit ihm schwellen auch sofort kurze, harte Windwellen an. Die gute alte Poseidon bahnt sich dann brav und sehr stabil ihren Weg durch die Wogen und wird von uns allen dafür sehr schätzt. Aber ein Arbeiten an Deck, vor allen mit den schweren Geräten, die über die Reling gehoben werden müssen, wird schnell unmöglich und es heißt dann: warten auf Besserung.
Unser Autor: Der Sedimentologe Till Hanebuth von der Universität Bremen
Wo sich wilde Wellen in den Meeresboden graben
Wo starke Winde herrschen, beeinflussen die von ihnen angetriebenen starken Strömungen und wilden Wellen auch den Meeresboden. Messungen haben gezeigt, dass die Wellenenergie hier vor Galizien bis auf mindestens 90 Meter Wassertiefe hinabreicht - vermutlich sogar noch ein ganzes Stück tiefer. Was passiert dort unten während eines Sturmes? Der Meeresboden wird regelrecht aufgewühlt, teilweise metertief, und leichteres Material wird von der Strömung einfach mitgenommen. Zurück bleiben Sand und Kies, so dass heute weite Gebiete vor Galizien von einer meterdicken Sandschicht bedeckt sind. Diese Sande dehnen sich manchmal gleichmäßig über weite Flächen aus. Manchmal bauen sie aber auch Felder aus großen, dünenartigen Rippeln auf. Das hängt vor allem von der Strömung ab, die dort unten am Meeresboden jeweils herrscht. Wo bleibt das leichtere, tonige Material? Aufgrund des geringen Gewichts kann sich dieses Material länger im Wasser halten und wird solange transportiert, bis die Strömung merklich nachlässt. Dann kann es sich wieder auf den Meeresboden zurück absetzen. Und dieses Absetzen (Im geologischen Sprachgebrauch auch „Sedimentieren“ genannt, Anm. d. Red.) geschieht häufig vor allem in regional begrenzten Zonen, die wir "Schlammgürtel" nennen.
Was uns Sedimentologen interessiert
Das Interesse von uns Sedimentologen richtet sich heute auf ein Gebiet, in dem eine Serie von Sandrippeln vorkommt und vermuten lässt, dass dort die Strömung in eine Richtung besonders ausgeprägt ist. Interessant vor allem, weil bereits in unmittelbarer Nähe ein lang gezogener Schlammgürtel zu finden ist. Also muss es hier so etwas wie eine scharf gezogene ozeanographische Grenze geben, über die uns die Ablagerungen am Meeresboden Auskunft geben können. Sedimentologen, wie ich es einer bin, stellen sich Fragen zur Entstehung der Ablagerungen am Meeresboden, indem sie das Material heraufholen und dieses genau untersuchen. So können wir sehr viel darüber verstehen, wo dieses Sediment ursprünglich herkommt (die Quelle), wie es dort hingekommen ist (der Transportprozess) warum es sich dort abgelagert hat (die Ablagerungsdynamik). Ziehen wir dann dort Sedimentkerne aus dem Meeresboden, so können wir auch zeitlich zurückschauen und sehen, wie sich das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Einflüssen über Hunderte oder Tausende von Jahren verändert hat.
Kartierung des Meeresbodens: Klar zu erkennen, die wellenförmige Struktur der Sedimentoberfläche.
Sandwellen
Vor zwei Jahren haben
wir hier vor Galizien an einer bestimmten Stelle
ein solches Rippelfeld
entdeckt. Es handelt sich offenbar um Sandkörper,
die drei Meter hoch und 600 Meter lang sind. Heute Nacht sind wir dann darüber
systematisch hin- und hergefahren und haben die Morphologie des
Meeresbodens genau kartiert. Damit können wir sehen, wie diese Rippeln eigentlich
ausgerichtet sind (siehe Abbildung oben). Unser Plan ist, als nächsten Schritt Sedimentkerne
aus diesen Rippeln zu nehmen, um vor allem über deren Alter etwas zu
erfahren. Aber am Tag frischt der Wind mal wieder so stark auf, dass wir
gerade mal die Oberfläche des Meeresbodens beprobt bekommen. Unser
Kerngerät ist dagegen schon nicht mehr einsetzbar. Na, dann
kommen wir eben an einem anderen Tag noch einmal wieder an diese Stelle
zurück und holen das nach.
Viele Grüße von der Poseidon,
Till Hanebuth
Weitere Informationen:
Wo ist POSEIDON jetzt?
Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.
Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history unter www.europrox.de.








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