Meteor Logbuch 28. Juli:Megafauna aus der Tiefe!
Der letzte Tauchgang von QUEST war erfolgreich: Im Mittelpunkt des Meteor-Blogs steht heute die Meeresfauna an der REGAB-Station. Carole Decker, Doktorandin am franzöischen Forschungsinstitut IFREMER, berichtet anhand faszinierender Bilder der Tiefsee von ihrer Leidenschaft, der Muschel Calyptogena und der Lebensweise benthischer Organismen.
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
28. Juli 2008 (Autorin: Carole Decker)
Heute im Meteor-Blog:
“Hallo, mein Name ist
Carole Decker. Ich habe gerade meine Masterarbeit in Meeresbiologie am Institut
“Universitaire Européen de la Mer” in Brest, in der Bretagne (Frankreich)
beendet. Im November fange ich mit meiner Doktorarbeit im Tiefseelabor von
IFREMER an. Thema meiner Forschung wird die Diversität, Ökologie, und Anpassung
vesicomyider Muscheln, die in reduzierten Tiefsee-Lebensräumen vorkommen,
besonders an Methanquellen in der Tiefsee. Während der Ausfahrt werde ich
Organismen verschiedener Arten sammeln und untersuchen, ob es einen
Zusammenhang zwischen der chemischen Umwelt (z. B. Sauerstoff,
Schwefelwasserstoff, Methan) und der Verteilung der Arten gibt.”
Bild 1: Eine Art des
Genus Calyptogena, die sehr häufig an
REGAB vorkommt
Megafauna aus der Tiefe!
Während der letzten
beiden Tauchgänge haben wir Proben von einem der verschiedenen Muschelhabitate
von REGAB genommen. Mit einem Netz konnten wir eine neue Muschelart (Genus Calyptogena) beproben (Bild 1).
Weiterhin konnten wir zwei verschiedene benthische Kammern zur Messung des
Methanaustrittes sowie der Sauerstoffzehrung von Lebewesen am Meeresboden
einsetzen (Bild 2). Die Muscheln unter der Kammer können wir anschließend mit
einer Art Kastengreifer quantitativ beproben (Bild 3). An Deck werden die
Muscheln dann gezählt, gewogen und ihre Größe vermessen. Die Calyptogena
Muscheln sind auf besondere Weise an die extremen Bedingungen an den
Methanquellen angepasst: sie haben spezielle Blutpigmente, die wir untersuchen
wollen. Einige Arten haben ein Hämoglobin, das die toxische Substanz Sulfid
binden kann. Was für die Muschel selber Gift ist, ist Energie für ihre
Symbionten, die in der Muschelkieme leben: Bakterien, die von der Veratmung von
Sulfid leben. Die Muschel transportiert das Sulfid zu den Bakterien, die dafür
den Wirt füttern. Die verschiedenen Blutpigmente der Muscheln sind auch an
verschiedene Sauerstoffkonzentrationen angepasst, da Sauerstoff an
Methanquellen Mangelware sein kann.
Bild 2: Die benthische Kammer CALMAR steht auf einem Fleck lebender Muscheln
Bild 3: Beprobung von Muscheln mit dem Kastengreifer
Für unsere Untersuchungen der Wirt- und Symbionten-Physiologie und der Reproduktionsstrategie der Muscheln, müssen wir einige Individuen sezieren und sowohl das Blut als auch die Kiemen, den Mantel, Muskel und Fuß der Muschel beproben. Außerdem interessieren wir uns für die vielen anderen Tierarten, die zusammen mit der Muschel leben (Bild 4): Viele von ihnen sind übrigens winzig klein (weniger als einen Millimeter groß). Um sie aus dem Sediment herauszusortieren, müssen wir den Schlamm durch Siebe mit einer Maschenweite von bis zu einem Viertel Millimeter waschen (Bild 5). Nach Rückkehr von See werden die Tiere dann sortiert und zu verschiedenen taxonomischen Experten weltweit versand. Denn die meisten der Tiefseearten sind noch unbekannt.
Bild 4: Ansammlungen von Calyptogena Muscheln und ihrer Mitbewohner nördlich des aktiven Zentrums des REGAB Pockmarks
Bild 5: Carole Decker siebt Schlamm um auch die kleinsten Lebewesen zu beproben








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