Meteor-Logbuch 25. Juli 2008: Rendezvous in der Kombüse
Fahrtleiterin Antje Boetius stellt im Meteor-blog heute ihre Aufgaben vor - und den wichtigsten Mann an Bord: den Schiffskoch!
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch und Expedition M76/3B
25. Juli 2008 (Autorin: Antje Boetius)
Heute im Meteor-Blog:
“Ich heiße Antje Boetius
und bin Fahrtleiterin der Reise M76/3b. Ich leite die Arbeitsgruppe
“Mikrobielle Habitate” des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie und
bin Professorin an der Jacobs Universität in Bremen. Dies ist meine 38.
Forschungsreise und meine siebte als Fahrtleiterin. Der Job der Fahrtleitung
ist es, mit den wissenschaftlichen Fahrtteilnehmern wie auch mit dem Kapitän
die Forschungsarbeit an Bord zu planen, alle informiert (und beschäftigt :-) ) zu halten und auf Unvorhergesehenes schnell mit Entscheidungen und neuen
Arbeitsplänen zu reagieren.
Ich fahre sehr gerne auf Forschungsschiffen zur
See, weil es immer wieder faszinierend ist, wie ein Haufen von Menschen über
alle möglichen Altersgruppen, Berufserfahrungen und Nationalitäten hinweg für
ein gemeinsames Arbeitsziel zusammenarbeiten kann – mehr über den Ozean zu
erfahren. Am liebsten sind mir Reisen mit Unterwasserrobotern, die das direkte
Arbeiten am Meeresboden ermöglichen und einem diesen fremden Lebensraum so nahe
bringen, als wäre es der eigene Vorgarten. In diesem Moment ist der Roboter
nach einigen Reparaturen wieder auf dem Weg nach unten, und wir hoffen auf
einen erfolgreichen Tauchgang – der heutige ist besonderen symbiotischen
Muscheln der afrikanischen Tiefsee gewidmet, deren Habitat wir erforschen
wollen.“
Rendezvous in der Kombüse
Im heutigen BLOG (25.07.08) geht es weniger um Forschung als um ein weiteres Besatzungsmitglied. Manche behaupten ja, er wäre der wichtigste Mann an Bord: der Schiffskoch! Antje Boetius (Bild 1) hat sich heute Abend nach Genuss des berühmten METEOR-Griechischen-Grilltellers mit Franz Grün(Bild 2) unterhalten, dem Schiffskoch an Bord.
Bild 1: Franz Grün und Antje Boetius
Franz, wie lange fährst Du schon zur See?
Ich fahre seit 1968 zur See (Das sind 40 Jahre!!), davon war ich aber 10 Jahre an Land. Ich bin beim Norddeutschen Lloyd gefahren, bei der Balken Reederei in Brake, bei Urag, Hansa, RF und jetzt Laeisz.
Wo kommst Du her und wie bist Du zur Seefahrt
gekommen?
Ich komme aus Roth bei Nürnberg,
und es war Abenteuerlust und Neugier, die mich zur Seefahrt gebracht haben. Bei
uns im Ort gab es ein paar Seeleute, die haben mich neugierig gemacht, und dann
habe ich mir ein Schiff gesucht, und wie man so sagt - die Mutter hat geweint
und der Vater geschimpft.
Wie hast Du denn Kochen gelernt?
Ich habe zuerst Metzger gelernt
und habe dann als Kochsmaat angeheuert. So habe ich zunächst an Bord eines
Frachters kochen gelernt, das ist der typische Ausbildungsweg für den Beruf.
Bei RF wurde ich dann Schiffskoch, zuerst auf der SONNE.
Und wenn Du zuhause bist im Urlaub, kochst Du dann auch?
Ja, schon mal (lacht) – aber dann ist es oft nicht richtig, sagt meine Frau, und meist zuviel. Also kocht dann eher mal die Frau, denn essen gehen wir selten.
Was ist eigentlich Dein liebstes Fahrtgebiet?
Am liebsten fahre ich in den Tropen, Südamerika, aber auch Südostasien. Schön warm muss es sein.
Was muss einer mitbringen, der Schiffskoch werden will und würdest Du Dich noch mal dafür entscheiden?
Also so einer braucht vor allem Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Organisationsvermögen, Weitsicht, und er sollte auch das Bordleben mögen. Ob ich das noch mal machen würde – man wächst da ja so rein, aber vielleicht nicht. Es ist nicht einfach, ein Leben lang zur See zu fahren, die langen Zeiten von zuhause weg, das machen nicht viele Frauen mit – das ist nicht deren Schuld, aber es ist schwer in einer Beziehung mit der ständigen Abwesenheit klar zu kommen.
Warum gibt es eigentlich keine Schiffsköchinnen?
Es gibt schon welche, zum
Beispiel auf der Antarktisstation, aber bei uns fährt keine, die bewerben sich
wohl einfach nicht.
Ist Dir eigentlich mal ein richtiges Missgeschick in der Küche passiert und würdest Du mir erzählen was das war?
Ja, es geht schon mal was schief, aber ein ganz großes Missgeschick, wo es dann an Bord nichts zu essen gab, eigentlich nicht. Ich will ja nicht sagen, dass mir keine Missgeschicke passieren, aber meistens kann man noch irgendwie tricksen.
Stimmt es eigentlich, dass wenn das Essen versalzen ist, der Schiffskoch verliebt ist?
Nee, so oft wie das Essen versalzen ist, kann man ja nicht verliebt sein (lacht). Es gibt ja ein paar solche Redensarten, aber die stimmen meist nicht. Zum Beispiel heißt es ja auch, wer das Lorbeerblatt im Essen findet, muss den Koch küssen, aber mich hat noch keiner deswegen geküsst.
Ach, Franzl, dann koch uns doch morgen Lorbeersuppe :-) Vielen Dank für das Gespräch!
Bild 2: Der METEOR Schiffskoch in seiner Küche








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