Meteor-Logbuch 17.-18. August: QUEST 226 – der letzte Tauchgang
Der letzte Tauchgang mit Unterwasserroboter QUEST war der erfolgreichste der Expedition. Ob bei der Beprobung des Holzexperiments, dem "Videomosaicking" oder einfach nur beim Beobachten der Tiefseelebewesen . Ihre Eindrücke von der faszinierenden Unterwasserwelt der Westafrikanischen Tiefsee beschreibt Fahrtleiterin Antje Boetius.
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
17.-18. August 2008 (Autorin: Antje Boetius)
English version
BLOG vom 17-18 August
2008, Autor Fahrtleiterin Antje Boetius (siehe auch den BLOG vom 25 Juli 2008)
QUEST 226 – der letzte Tauchgang
Auch nach dem Tauchgang
225 wiederholte sich das Unglück mit dem ROV Kabelknäuel (Bild 1). Aber so kurz
vor Ende der Reise und wegen all der Mühen (siehe BLOG 12-13 August) überhaupt
wieder tauchen zu können, erbarmte sich das ROV Team und sammelte alle Kräfte
für eine weitere Reparatur, um einen letzten Tauchgang auf die Beine zu
stellen. Den 17 August nutzen wir anderen Wissenschaftler also dafür, noch mal
die Schlammvulkane mit Parasound genauer zu untersuchen und noch weitere
geologische Probennahmen durchzuführen. Tatsächlich zeigte sich eine Gasfahne
über dem tortenförmigen Schlammvulkan (siehe auch BLOG vom 02.08.08), aber
leider war die Zeit begrenzt, und weitere Untersuchungen waren nicht möglich,
weil wir ja in der Nacht vom 17 auf 18 August schon wieder an REGAB tauchen
wollten.
Bild 1 – Kabelsalat am ROV QUEST. Solche Schäden führen zu sehr
schwierigen Bergungssituationen und entflechten kann man einen
solchen Knoten nicht – da muss leider abgeschnitten werden.
Daher versammelten sich
alle Wissenschaftler am Nachmittag des 17 August, um den letzten Tauchgang der
Reise M76/3b zu planen. Schnell kam eine lange Liste von Wünschen zusammen, und
ein Tauchgang von 24 h Bodenzeit und dem Einsatz des Liftes wurde geplant, bis
zur letzten Stunde vor dem Abdampfen Richtung Walvisbay. Natürlich war das ein
Risiko – wäre etwas schief gegangen, wären womöglich die wertvollen in situ
Geräte am Meeresboden stehen geblieben, wenn der Lift nicht zu bergen gewesen
wäre. Aber wer wagt gewinnt: so wollten wir die letzte Chance für Messungen
ausnutzen und planten die Bergung verschiedener Experimente am Meeresboden, das
Einsetzen der profilierenden Mikrosensor-Systeme sowie des Eddy-Systems zur
Messung benthischer Respiration (Siehe auch BLOG Eintrag vom 26 Juli), die
Entnahme verschiedener biologischer Proben wie auch von Wasserproben für die
Chemie.
Bild 2 – Die TRACS sind Experimente zur Besiedlung verschiedener Materialoberflächen durch Larven von Tiefseeorganismen – hier Holz, Karbonat und pflanzliche Substanz
Eine besondere Aufgabe war das so genannte „Videomosaick“, das heißt die flächige, visuelle Kartierung verschiedener benthischer Habitate. Dazu wird mit einer hoch auflösenden abwärts schauenden Kamera entlang festgelegter Wege der Meeresboden aus gleicher Höhe und mit einheitlicher Geschwindigkeit abgefilmt. Diese Filme können dann wieder zusammengesetzt werden – wie ein Mosaik – um die Bedeckung des Meeresbodens mit verschiedenen Strukturen und Organismen zu quantifizieren, zum Beispiel Karbonate, Muscheln, Röhrenwürmer und anderes. Das hört sich recht einfach an, das Problem ist aber die genaue Positionierung unter Wasser (siehe auch BLOG vom 07 August).
Bild 3 – Holz ist ein beliebter Lebensraum in der Tiefsee – auch wenn es da nicht hingehört
Die kurze Zusammenfassung
von Tauchgang 226, der in den frühen Morgenstunden des 19. August endete: ein
voller Erfolg! Wir haben alle unsere Aufgaben abarbeiten können, bevor uns das
Öl ausging und aufgetaucht werden musste. Na gut, beim Videomosaick haben wir
uns einige male verirrt und konnten nicht alle Transekte wie geplant abfahren –
haben aber dennoch eine Menge gesehen. Wir haben die Experimente bergen können,
sowohl die TRACS (Bild 2) wie auch noch ein Stück vom Holz, das wir vor 3
Wochen versenkten (siehe auch BLOG vom 03. August). Inzwischen haben hier jede
Menge Krebse ihr Zuhause gefunden (Bild 3), merkwürdigerweise auch ein ganzer
Schwarm von Shrimps, die sonst nur an den Röhrenwürmern und Muschelbetten zu
finden sind. Die Shrimps scheinen doch recht flexibel bei der Partner- und
Nahrungswahl, eine konnten wir dabei beobachten, wie sie die Ausscheidungen
einer vesicomyiden Muschel auffraß, die gar nicht so schnell nachlegen konnte
wie der Faeces verschwand – andere stritten sich um einen Wurm.
Bild 4 – Mit dem Mikroprofiler messen wir die Sauerstoffeindringtiefe ins Sediment – hier am Holzexperiment
Auch der
Mikroprofiler ist herumgekommen – drei Einsätze brachten uns Daten vom
Holzexperiment (Bild 4) sowie von der
benthischen Gemeinschaft der vesicomyiden Muscheln (Bild 5). Auch hier sind wir
ein Risiko eingegangen: die Mikrosensoren würden brechen, kämen sie in Kontakt
mit einer Muschelschale, aber diesmal war das Glück auf unserer Seite. Das Eddy
System wurde ebenfalls innerhalb und außerhalb der Muschelflecken eingesetzt,
um die Unterschiede in der benthischen Respiration aufzuzeichnen (Bild 6). Am
Ende konnten wir auch noch sehr schön die Lebensgemeinschaft der Röhrenwürmer
studieren, eine unglaubliche Vielfalt von Organismen schart sich um diese
merkwürdigen Lebewesen. Besonders auffällig ist hier im Zentrum des Pockmarks
wie sich die chemosynthetischen Muscheln an den Röhrenwürmern fest heften, die
dabei auch über und über mit hydroiden Polypen besiedelt sind (Bild 7).
Bild 5 – Hier misst der Mikroprofiler die Sauerstoff und Sulfidflüsse an Ansammlungen von Muscheln
Bild 6 – Eddy misst den Sauerstoffverbrauch im Meeresboden – hier in der Nähe von Muschelbetten
Dies sind nur einige Beispiele aus der faszinierenden Unterwasserwelt der Westafrikanischen Tiefsee. Der Tauchgang 226 gab uns ein gutes Gefühl dafür, was alles möglich ist mit einem Roboter wie QUEST, und wir bedanken uns herzlich bei unserem fast unermüdlichen ROV Team für die Ermöglichung dieses letzten Tauchgangs. Wie gerne hätten wir auch noch die anderen Strukturen im Norden und Süden untersucht, aber die Zeit ist um, und wir müssen die Heimreise antreten.
B
Bild 7 – Das Leben im Röhrenwurm-Busch (Zentrum des REGAB pockmarks)








Planet Erde auf Twitter

