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Ägäislog #1: Ein schwieriges Unterfangen

erstellt von Lisa Hölzer zuletzt verändert: 23.05.2017 10:48

Die Poseidon ist nun seit fast einer Woche in der Ägäis unterwegs. Schon die ersten Tage offenbaren den Wissenschaftlern die Schwierigkeiten, die Wetter und See für die Expedition POS513 bereithalten können. Der Fahrtleiter Armin Freundt vom GEOMAR in Kiel berichtet von Bord.

Unser Team bestieg die Poseidon am Tag vor der Abfahrt, entlud die wissenschaftliche Ausrüstung aus zwei  Containern und brachte sie an Bord. Um 9.00 Uhr am nächsten Morgen verließ das Schiff den Hafen von Heraklion und erreichte die erste Station am Nachmittag. Aber Wind und Wellengang waren zu stark für den Einsatz des Schwerelots. Nico Augustin verbrachte die Nacht, unterstützt von Symeon Nasras von der Athener Universität, mit der bathymetrischen Kartierung einer Meeresbodenverwerfung nordwestlich von Santorini.

Das Team hat viel Mühe beim Einsatz des Schwerelots. (Bild: Armin Freundt/GEOMAR)Der erste Tag an Bord zeigte glücklicherweise eine ruhige See und sonniges Wetter, sodass wir mit der Bohrung entlang einer Strecke, die vom Norden von Santorini in den Süden von Milos führt, beginnen konnten. Jedoch lernten wir schnell die Schwierigkeit kennen, nur nahe zum Land in der Sechs-Meilen-Zone arbeiten zu können, wo großkörniges Sediment, zementierter Korallenschutt und ähnliche Materialien auf dem Meeresgrund die Förderung von geeigneten Kernen trotz wiederholter Versuche, entweder wegen keines oder unzureichendem Durchdringens oder wegen Verlusts von grobkörnigem Sediment während der Hebung, verhinderten. Deshalb sind wir dem Vorschlag von Thorsten Schott gefolgt, das Schwerelot mit einem Triggersystem zu verwenden, das es 3 Meter über dem Grund ablässt, sodass es in freiem Fall auf den Grund trifft -  viel schneller als das Abtauchen per Winde. Diese Verfahrensweise nimmt deutlich mehr Zeit und Anstrengung durch die Mannschaft in Anspruch.

Eine 40 Zentimeter dicke Ascheschicht unter etwa 20 Zentimeter braunem Deckschlamm. (Bild: Armin Freundt/GEOMAR)Die nächste Nacht wurde wieder für bathymetrische Kartierung einer Zone südlich von Milos verwendet, die sich als eine komplexe Grabenstruktur mit normalen Verwerfungen erwies. Am Tag bewies das Schwerelot mit dem Auslösesystem seinen Wert und wir gewonnen den ersten 2 Meter langen intakten Kern südlich von Milos. Dieser enthielt eine etwa 40 Zentimeter dicke Ascheschicht, die wir als die Ablagerung der submarinen Colombo-Eruption von 1650 interpretieren. Für die folgende Station, südwestlich von Milos, statteten wir den Bohrer mit einer Zehn-Meter-Röhre aus und bargen tatsächlich einen 7,5 Meter langen Kern, der mehrere Ascheschichten enthielt. Aber die erwartete minoische Asche nahe der Oberfläche fehlte nahezu.

Die Nachtfahrt brachte uns zurück in die Nähe von Santorini. Westlich von Christiana bargen wir einen 3,4-Meter-Kern mit zwei Aschebetten, aber wieder ohne die erwartete dicke minoische Schicht. Drei Stationen entlang einer Linie von Süd nach Ost von Santorinia blieben wegen erneutem zu grobem Sediment erfolglos. Nächtliches Kartografieren zeigte ein interessantes System bereichsübergreifender Verwerfungen südöstlich von Ios.

Die gesamte Region ist in Verwerfungssysteme gegliedert. (Bild: Armin Freundt/GEOMAR)

Die gesamte Region ist in Verwerfungssysteme gegliedert. (Bild: Armin Freundt/GEOMAR)

Der nächste Morgen brachte zwei 5 und 4 Meter lange Kerne, die mehrere Aschebetten enthielten. Am Nachmittag fuhren wir in seichtere Positionen, wo die Ausbeute weniger befriedigend war.
Es folgten zwei erfolgreiche Kerne 10 und 20 Kilometer südöstlich und östlich von Colombo, die eine geschichtete Ansammlung von Colombo-Tephra mit rauem Bimsstein (bis zu 6 Zentimeter) enthielt.

Seitdem wir uns jetzt zu distaleren Stationen bewegen, haben wir den riesigen Kastengreifer angebracht, um bodennahe Profile zu gewinnen. Zwei Stationen südöstlich von Santorini haben 40 und 20 Zentimeter dicke Profile Oberflächenschlamm mit bis zu drei dünnen eingefügten Feinascheschichten gebracht.

Wir erhalten ausgezeichnete Unterstützung durch die Mannschaft der Poseidon und inzwischen haben das Bohrungsteam mit Steffen Kutterolf, Thor Hansteen und Armin Freundt sowie Thorsten Schott und unser griechischer Kollege Boris Karatsolis und die Studenten Carina Sievers, Jenny Brandstätter und Kai Fockenberg, die uns unterstützen, einen glatten Arbeitsablauf entwickelt, das Schwerelot aufzustellen und die Kerne zu bearbeiten, beschreiben und Proben zu nehmen. Folglich sind wir bereit in den nächsten Tagen weitere lange Kerne zu gewinnen!

 

Das gesamte Expeditionsteam sendet Grüße von Bord!

 

Armin Freundt

(Fahrtleiter der Expedition POS513)

nullIm Rahmen der Ausfahrt POS513 begeben sich Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel unter der Leitung des Geologen Armin Freundt in den Hellenischen Inselbogen. Dort wollen sie mithilfe eines Schwerelots Tiefseebohrungen durchführen, um zukünftige Vulkanausbrüche besser abschätzen zu können. Die Geowissenschaftler berichten im Logbuch auf planeterde direkt von Bord des FS Poseidon.
Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel