Reinigungsverfahren für Bergbau-Wässer
Ein Mineral namens Schwertmannit wollen Forscher nutzen, um kontaminierte Grund- und Oberflächenwässer zu reinigen. Die Methode, die schon bald in einer ersten Versuchsanlage getestet wird, dürfte nicht nur kostengünstiger als bisherige Technologien zur Wasseraufbereitung sein, sondern auch umweltschonender.
Jahrelanger intensiver Bergbau hinterlässt in vielen Ländern der Erde nicht nur weithin sichtbare äußere Spuren, wie man sie auch von den Mondlandschaften deutscher Braunkohlegebiete her kennt. Meist bleiben darüber hinaus unsichtbare Hinterlassenschaften zurück, die die Gewässer im Umfeld der Abbaugebiete betreffen. Dort, wo Bergleute Uran, Blei, Kupfer, Zink oder Silber aus dem Gestein schürften, finden sich auch heute noch Grund- und Stollenwässer, die mit Schwermetallen und Arsen verunreinigt sind.
Experten rücken dieser Problematik heutzutage mit Eisenhydroxiden wirksam zu Leibe. Diese besitzen eine große spezifische Oberfläche, also eine große Kontaktfläche, an der die Schadstoffe gebunden und damit aus dem Wasser entfernt werden können. Üblicherweise das Wasser dazu mit Eisen(III)chlorid versetzt, welches sich dann in das gewünschte Eisenhydroxid umwandelt. Die Nachteile des Verfahrens: Zunächst muss das Eisen(III)chlorid in einem aufwändigen Verfahren technisch synthetisiert werden. Danach kann es zur Reinigung des Wassers eingesetzt werden, allerdings nicht ohne eigene Verunreinigungen zu hinterlassen: Bei der Transformation werden nicht nur Salz, sondern auch H+-Ionen, also Säure freigesetzt, was eine anschließende Neutralisation erfordert.
Ein neues Verfahren der Wasseraufbereitung, das ökologisch und ökonomisch weitaus sinnvoller erscheint, haben jetzt Forscher aus Bayern und Sachsen entwickelt. Es setzt ebenfalls auf die bewährte Reaktivität der Eisenhydroxide, allerdings auf einen anderen Ausgangsstoff. Die Experten unter der Leitung des Bayreuther Hydrologen Stefan Peiffer nutzen ein Mineral namens „Schwertmannit“.
„Wir wollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine innovative Wasserbehandlungstechnologie zur Arsen-Elimination entwickeln“, umschreibt Peiffer das Ziel des Projekts, welches das Akronym SURFTRAP trägt und seit Juli 2008 im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Programms vom Bund gefördert wird. Kostengünstig, einfach handhabbar und umweltschonend – diese drei Punkte sehen die SURFTRAP-Wissenschaftler durch die Verwendung des Eisenhydroxisulfates Schwertmannit erfüllt. „Bei der Aufbereitung von sauren und Sulfat-reichen Grubenwässern des Braunkohlebergbaus fällt es in großen Mengen als Reststoff an“, so Stefan Peiffer. Das Mineral bildet sich in den sauren Grubenwässern durch Belüftung und mikrobielle Vorgänge, es wird „biosynthetisiert“. Wird es verunreinigten Wässern mit höheren pH-Werten zugeführt, wandelt es sich in Eisenhydroxid um und kann so zuverlässig eine Schwermetall- bzw. Arsen-Eliminierung bewirken. Dabei wird weniger Salz und Säure freigesetzt als beim konventionellen Einsatz von Eisen(III)chlorid. Mit dem neuen Wasserreinigungsverfahren könnte also nicht nur ein Reststoff umweltschonend verwertet werden, sondern auch die aufwändige und kostenintensive Herstellung des Eisen(III)chlorids entfallen.
Zunächst zielt SURFTRAP auf die Sanierung bergbaubeeinflusster Grund- und Oberflächengewässer ab, um Ökosysteme zu schützen. Das Ganze kann jedoch später auch auf die Trinkwasseraufbereitung ausgeweitet werden. Peiffer: „In den bisherigen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass mit unseren Verfahren der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation für die Arsenbelastung in Trinkwässern deutlich unterschritten werden kann. In Entwicklungsländern, in denen ein Mangel an Trinkwasser herrscht, bietet diese kostengünstige und zugleich einfach handhabbare Wasserbehandlungstechnologie damit ein hohes Potential zur direkten Trinkwasseraufbereitung aus Arsen-kontaminierten Brauchwässern.“
An SURFTRAP beteiligt ist neben der Universität Bayreuth, der G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH, der TU Freiberg sowie der LMU München auch die Industrie. Diese stellt u. a. die Anlagen für die Praxistests zur Verfügung. So ermöglicht die Vattenfall Europe Mining AG als Betreiber der Grubenwasserreinigungsanlage Nochten (Lausitz) den Betrieb einer halbtechnischen Versuchsanlage zur Biosynthese von Schwertmannit. Einen genaueren Blick auf das Reinigungspotential des Minerals können die Forscher später in einer Anlage werfen, die zur Zeit durch die Wismut GmbH im sächsischen Schlema-Alberoda errichtet wird. Hier soll in einem Pilotversuch das Schwertmannit mit Arsen-kontaminiertem Flutungswasser des ehemaligen Uranerzbergbaus in Kontakt gebracht werden. Dieser Test wird den vorläufigen Projektabschluss bilden. Die dreijährige Förderphase des Projektes endet 2011.
Wie es danach weitergeht und bis wann das Verfahren „marktreif“ gemacht werden kann, steht noch nicht fest. Eines prophezeit Stefan Peiffer schon jetzt: „Sicherlich wird nach dem Förderende 2011 noch eine zweite Projektphase notwendig sein, um die erarbeitete Verfahrensgrundlagen in weiteren, halbtechnischen Pilotversuchen auf ihre Praxistauglichkeit zu testen.“
TM, iserundschmidt 07/2009
Näheres zum Projekt
SURFTRAP finden Sie auf der Projektseite, auf den Seiten des
Programms GEOTECHNOLOGIEN und hier auf planeterde.






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