Innovationsideen auf dem Prüfstand
Bevor Forschungsvorhaben im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN gefördert werden können, werden sie von einem international besetzten Expertenpanel auf Herz und Nieren geprüft. Um letztendlich zum Kreis der ausgewählten Projekte zu gehören, müssen die Antragsteller im Vorfeld einiges beachten.
Die Auswahl förderungswürdiger Projekte macht sich das FuE-Programm GEOTECHNOLOGIEN nicht leicht. Eingereichte Projektanträge werden in mehrtätigen Klausursitzungen von eigens einberufenen Forscherpanels begutachtet und diskutiert. Den inhaltlichen Anforderungen entsprechend, werden diese international besetzten Gutachtergremien vor dem Start eines Forschungsschwerpunkts jeweils neu zusammengestellt
Ein Merkmal haben aber alle Klausursitzungen gemein: Um den stark interdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten der GEOTECHNOLOGIEN Rechnung zu tragen, finden sich zum Diskurs über die Projektskizzen Experten ganz unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Diese heterogene Besetzung ist nötig, um zu gewährleisten, dass jeder Auswahlprozess mit einem ausgewogenen, belastbaren Urteil schließt.
Im
Gespräch mit planeterde schildern Dr. Stefan Lüth vom Deutschen GeoForschungsZentrum
und Dr. Hendrik Paasche von der Universität Potsdam, wie das Antragsverfahren des
Forschungsprogramms aus ihrer Sicht verlaufen ist. Im neuen
GEOTECHNOLOGIEN-Förderschwerpunkt „Tomografie der Erdkruste - Von der
Durchschallung zum Echtzeitmonitoring“ koordinieren die Potsdamer
Wissenschaftler die Projekte SOUND bzw. MuSaWa.
Tunnelbohrmaschine mit 13 Metern Durchmesser. Im Rahmen von SOUND sollen Daten von Vorauserkundungstechnologien ausgewertet und aussagekräftig dargestellt werden (Bild: Herrenknecht AG).
planeterde: Wann und auf welchem Wege haben Sie das erste Mal etwas von den GEOTECHNOLOGIEN gehört? Haben Sie möglicherweise schon einmal im Rahmen des Programms gearbeitet?
Paasche:
Aufmerksam geworden auf das FuE-Programm GEOTECHNOLOGIEN bin ich schon vor der
Antragsphase zu „Tomographie des nutzbaren Untergrundes“, da an der Universität
Potsdam bereits vorher Forschungsvorhaben im Rahmen von GEOTECHNOLOGIEN
gefördert wurden.
Lüth: Ich kenne das Programm seit seiner Einrichtung, zunächst über die Mitarbeit an einem Antrag im Förderschwerpunkt "Kontinentränder", dann über die Tätigkeit als Projektleiter des Vorhabens OnSITE im Förderschwerpunkt "Erkundung des Untergrundes".
planeterde: Weshalb haben Sie zur Unterstützung Ihres Vorhabens den Weg über die GEOTECHNOLOGIEN gewählt? Was bedeutet ein solches Programm für Ihre Arbeit?
Lüth: Die Zielsetzung des GEOTECHNOLOGIEN-Programms deckt sich recht gut mit den Merkmalen unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die darauf abzielt, innovative Ansätze zur Untergrunderkundung in die praktische Anwendung zu überführen. Das GEOTECHNOLOGIEN-Programm ist zurzeit eine ganz wichtige Säule für unsere Arbeit, sowohl im Schwerpunkt "Tomographie" als auch bei anderen Themen.
Paasche: Die
GEOTECHNOLOGIEN bieten die Möglichkeit, zusammen mit mehreren Partnern
Fragestellungen zu untersuchen, die neben einem rein wissenschaftlichen Aspekt
auch eine sehr starke Anwendungskomponente beinhalten, und damit über reine
Grundlagenforschung hinausgehen. Da Forschung im Bereich der angewandten
Geophysik in der Regel mit signifikanter Anwendungsorientierung einhergeht, ist
eine Förderung im Rahmen eines Programms wie GEOTECHNOLOGIEN naheliegend.
planeterde: Welche Herausforderungen ergaben sich im Laufe des Antragsverfahrens? Haben Sie die geplanten Schwerpunkte Ihres Projekts an die Vergaberichtlinien anpassen müssen?
Paasche: Wie bei
jedem Antragsverfahren müssen die geplanten Arbeiten innerhalb des Projekts zu
den in der Ausschreibung benannten Vergaberichtlinien passen. Darüber hinaus
ist eine dem geplanten Vorhaben entsprechende Zusammenstellung der
Projektpartner entscheidend, um gemeinsam Lösungen für komplexe Fragestellungen
zu entwickeln. Eine klare Aufteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten
schon vor dem Formulieren des Antrags ist dabei entscheidend für ein stimmiges
Gesamtkonzept des Forschungsvorhabens.
Lüth:
Für uns bestand die größte Herausforderung im Rahmen des Antragsverfahrens in
der von uns gewünschten Integration von Industriepartnern in das Vorhaben. Dies
ist zum einen ein ausländischer Partner, zum anderen ein größerer
Industriepartner, der nicht zu den Kleinen und Mittleren Unternehmen zählt.
Hier war eine Modifizierung der ursprünglichen Projektstruktur nötig, da eine
direkte Teilförderung solcher Partner nicht möglich ist.
Seitlich gesicherte Baugrube. Das Projekt MuSaWa möchte Bauingenieuren bereits in sehr frühen Phasen großer Bauvorhaben ermöglichen, belastbare Entscheidungen unter Berücksichtigung von Standortrisiken zu treffen (Bild: vicens, Wikimedia Commons).
planeterde: Welche Ziele wollen Sie innerhalb des dreijährigen Förderzeitraums erreichen? Welcher konkrete Nutzen wird sich aus denen in Ihren Projekten gesammelten Erkenntnissen ziehen lassen?
Lüth: Wir wollen
Fortschritte in der kombinierten geophysikalischen und geotechnischen
Auswertung von Messungen im Tunnelvortrieb erreichen, die als Grundlage für ein
in den Tunnelvortrieb integriertes Vorauserkundungssystem dienen. Über weitere
technische Entwicklungen hoffen wir außerdem die Grundlage für ein
tomographisches Langzeit-Monitoring von bestehenden Untertage-Bauwerken zu
schaffen.
Paasche: Im Rahmen von MuSaWA entwickeln wir die Erfassung und Auswertung seismischer scherwellentomographischer Untersuchungen weiter. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung und anschließenden Verfügbarkeit verbesserter Datenaufnehmersysteme, die scherwellentomographische Untersuchungen schneller und damit ökonomisch attraktiver machen – zum Beispiel bei der Vorauserkundung von Baugrund. Neben der technologischen Komponente entwickeln wir auch verbesserte Auswerteverfahren für die gewonnenen seismischen Daten. Das Ziel ist dabei eine weitgehend automatisierte, geotechnische Interpretation seismischer Scherwellentomographie, um Bauingenieuren bereits in sehr frühen Phasen größerer Bauvorhaben detaillierte und belastbare Entscheidungen zu lokalen und regionalen Standortrisiken zu ermöglichen.
planeterde: Herr Lüth, Herr Paasche, vielen Dank für dieses Gespräch.
SOUND und MuSaWa sind Projekte des neuen GEOTECHNOLOGIEN-Förderschwerpunkts „Tomografie der Erdkruste - Von der Durchschallung zum Echtzeitmonitoring“. Die weiteren Projekte dieses Kernbereichs finden Sie hier.
RD, iserundschmidt 12/2010









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